Der Daumen geht nach oben

InnovationsInterview Nr. 12 | mit Karin Finger, Geschäftsführerin der Goethe Schokoladentaler Manufaktur GmbH, Oldisleben

Goethe Chocolaterie-Geschäftsführerin und Ernährungsnetzwerk-Vorsitzende Karin Finger.

Eintauchen in die schönsten Sünden: Die Goethe-Chocolaterie-Erlebniswelt entwickelt sich zum Top-Ausflugsziel und erhielt 2014 den Thüringer Tourismuspreis.

30 Mitarbeiter kreieren für 5-Sterne-Hotels und Gourmethändler feinste Schokoladen, Pralinen, Baumkuchen, Torten und Kaffeespezialitäten.

Nur hochwertig und nachhaltig produzierte Rohstoffe werden in aufwendiger Handarbeit verarbeitet. Die Pralinenhohlkörper gießt die Manufaktur selbst.

Fast 100.000 Besucher zählt die Schaumanufaktur mit Werksverkauf, Kaffeerösterei, Café, Backhaus und Kursen pro Jahr.

Sie ist mutig, engagiert und lässt sich in keine Schublade stecken: Karin Finger. 1987 kam die geborene Brandenburgerin nach Thüringen. Die studierte Betriebswirtin arbeitete mehrere Jahre als Abteilungsleiterin bei Siemens im Bereich Medizintechnik, ehe sie auf Weltreise ging. Heute leitet sie die Goethe-Schokoladentaler-Manufaktur in der Nähe von Bad Frankenhausen – ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitern. Ihr Talent für das Herstellen feiner Naschereien gehört zur Familientradition. Ihre Urgroßeltern waren Bäcker und Konditoren – einer sogar am Hofe des russischen Zaren beschäftigt. 

Frau Finger, Schokolade ist Seelentröster Nummer Eins und soll laut Wikipedia süchtig machen. Was bewirkt die süße Nascherei bei Ihnen? 

(Lacht): Schokolade macht nicht süchtig, das ist wissenschaftlich erwiesen. Wir lieben alle Schokolade, und wenn manche ihr nicht widerstehen können, muss man wohl eher von einer Leidenschaft als von einer Sucht sprechen. 

Wie landet eine ausgebildete Elektroinstallateurin mit BWL-Abschluss, die viel in der Welt unterwegs war, vorher also ein ganz anderes Leben hatte, in der Schokoladenbranche?

Meine Urgroßeltern waren Konditoren und Bäcker. Außerdem hatte ich schon immer ein Faible für gute Lebensmittel, fürs Kochen und Backen. Bei einem Star-Patisserie aus München, heute einer der weltbesten Konditoren, gab ich seinerzeit so lange keine Ruhe, bis er mich in sein Wohnzimmer einlud, mir alle seine Kochbücher zeigte und mich in die Geheimnisse der gehobenen Chocolaterie einweihte. Mit anderen Worten: Das Interesse für gute Schokolade war schon immer da. 

Könnte man auch sagen, dass Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht haben? 

Auf jeden Fall. Als wir nach der Gründung den ersten großen Auftrag für das Dresdner Fünf-Sterne-Hotel „Taschenbergpalais“ bekamen, 500 Gläser unseres hausgemachten Fruchtaufstrichs von dort geordert wurden, wussten wir, dass wir mit unseren Pralinen und Konfitüren richtig lagen. 

Was ist so besonders an Ihren Produkten, dass sogar Feinkost Käfer aus München, das Adlon-Hotel in Berlin, Lufthansa oder Ferrari bei Ihnen bestellen? 

Wir stellen laut Kundenaussagen mit die besten Pralinen in Deutschland her – sowohl was die Füllungen als auch die Pralinen-Hohlkörper angeht. Die gießen wir selbst, statt, wie bei anderen Herstellern oft üblich, dafür fertige Hohlkörper einzukaufen. Auch bei den Zutaten machen wir keine Abstriche – nur hochwertige Rohstoffe kommen zum Einsatz. Ich kenne keinen Chocolatier in der Region, der handgemachte Qualitätsarbeit in der kompromisslosen Form so praktiziert wie wir. 

Im Oktober 2011 öffnete die Goethe Chocolaterie in Oldisleben. Seitdem gibt es hier eine Schokoladen-Erlebniswelt mit Café, Schaumanufaktur, Kursen und vielem mehr. Welche Projekte stehen bei Ihnen noch an?

Die Erlebniswelt läuft mit knapp 100.000 Besuchern pro Jahr sehr gut. Im Geschäftskunden-Bereich müssen wir natürlich immer wieder Neues bieten, bestehende Kunden halten und neue Partner gewinnen. Das ist für ein kleines Unternehmen eine echte Herausforderung. Interessanterweise ist die Suche nach Geschäftspartnern in Thüringen immer noch ein sehr schwieriges Pflaster. 

Woran liegt das? 

Wir beliefern Hotelketten und Unternehmen von Berlin bis Düsseldorf, von Hamburg bis München, von Österreich bis in die Vereinigten Arabischen Emirate – im Freistaat hingegen haben wir gerade mal das Dorint-Hotel in Weimar und das Augustinerkloster Erfurt als Partner. Ich glaube, man geht strenger und uncooler mit denen um, die in der Nähe arbeiten. Vermutlich fällt das Einzigartige hier weniger auf. 

Sie sind seit gut vier Monaten neue Vorsitzende im Thüringer Ernährungsnetzwerk. Welche Akzente wollen Sie in der Branchenvertretung mit rund 40 Mitgliedsbetrieben und Forschungsinstituten setzen? 

Erst einmal sind wir alle glücklich darüber, dass der Freistaat das Thüringer Ernährungsnetzwerk bei der Weiterentwicklung als Innovationscluster in den nächsten vier Jahren finanziell unterstützt. Damit können wir langfristig planen und etliche Projekte in Angriff nehmen. 

Welche Projekte sind das? 

Beispielsweise arbeiten wir mit dem Logistik Netzwerk Thüringen an einem gemeinsamen Logistikkonzept. Wir wollen, dass selbst kleine Bestellmengen beliebter Thüringer Produkte regionale Gastronomiebetriebe schnell und effizient erreichen. Denn bei Großhändlern, wie METRO oder SELGROS, finden Gastwirte oft nur einen Bruchteil, was hier im Freistaat produziert wird. 

Wichtig ist sicherlich auch eine Perspektive, die über die Förderperiode hinaus geht?

Richtig. Wir müssen zusehen, wie wir künftig finanziell auf eigenen Beinen stehen können und ein ganzes Bündel an Maßnahmen aufsetzen. Damit beschäftigt sich unsere Arbeitsgruppe „Strategie“. Von Vorteil ist: Wir haben eine exzellent laufende Geschäftsstelle, einen Vorstand, der sich prima versteht und werden auch von der LEG Thüringen super unterstützt – kurz, man spürt, dass es allen Spaß macht ...

... und Ihr Engagement immer mehr Anerkennung findet. Beispiel: der Ernährungsgipfel, eine Idee des Thüringer Ernährungsnetzwerks, der von Jahr zu Jahr wächst. 

2018 zählten wir 260 Teilnehmer auf dem Gipfel – ein Riesenerfolg. Es hat sich in den letzten Jahren einiges getan, dass wir innerhalb der Branche und nach außen, etwa gegenüber der Politik, ganz anders miteinander diskutieren und wahrgenommen werden. Der Daumen geht eindeutig nach oben. 

Letzte Frage: Ihnen liegt der Tourismus im Kyffhäuserkreis sehr am Herzen. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung in der Region?

2015 wurde der Tourismusverband Südharz-Kyffhäuser gegründet, damals durch sieben touristische Leistungsträger. Heute sind wir über 100 Mitglieder. Meine Heimatstadt Bad Frankenhaus ist nahezu ausgebucht. Wir haben wichtige Kooperationen mit Partnern angestoßen, um Themen, wie Naturpark Kyffhäuser, Kulturtourismus und regionalen Genuss gut miteinander zu verbinden. Übrigens: Die Schokoladenseiten der Region haben wir künstlerisch nachgebildet. Die Ausstellung ist in unserer Erlebniswelt noch bis Oktober geöffnet.

Interview: Holger Dabow (www.textdepartment.com)

Goethe Schokoladentaler Manufaktur GmbH, Oldisleben

  • Branche: Süß- und Backwaren, Feinkost 
  • Mitarbeiter: 30 (2019) 
  • Produkte: Schokoladen, Pralinen, Konfitüren, Chutneys, Baumkuchen, Torten und Kaffee-Produkte
  • Kunden: Hotelketten, Gourmethändler und Besucher der Erlebniswelt Goethe-Chocolaterie 
  • Standorte: Oldisleben (Kyffhäuserkreis) und Leipzig 
  • Gründung: 2005
  • Webseite: www.goethe-chocolaterie.de

Vorschau

Im nächsten InnovationsInterview stellen wir Ihnen Dr. Kersten Roselt vor. Er ist Geschäftsführer der JENA-GEOS®-Ingenieurbüro GmbH  aus Jena. Er widmet sich u.a. dem Arbeitsgebiet Stadt + Energie und strebt durch Forschungsprojekte die Entwicklung neuer Produkte und Innovationen für eine Umsetzung im Markt an. Dr. Roselt ist unternehmerischer Bündnis-Sprecher der Wachstumskerninitiative smood